Sonntag, 6. April 2014

Computer? Computer!



Ich gehöre noch der analogen Generation an. Computer waren eine esoterische Angelegenheit für Freaks, Internet gab’s nicht, Telefone hatten Kabel, und Kopien machte man mit seltsam riechendem Papier, auf dem der Druck nach wenigen Jahren verblasste. Tippfehler wurden mit Tipp-Ex verschmiert, die Überschriften der Artikel unserer Schülerzeitschrift mit Letraset gerubbelt, und das „o“ meiner Schreibmaschine stanzte Löcher ins Papier. Digitale Steinzeit also.

Damals habe ich meine Geschichten mit Kugelschreiber geschrieben und anschließend auf einer manuellen Schreibmaschine, also ohne elektronische Unterstützung des Tastenanschlags, abgetippt. Deswegen ist es mir trotz eines Schreibmaschinenkurses nie gelungen, das Zehn-Finger-System zu beherrschen, weil man sich nun mal auf analogen Schreibmaschinen beim Anschlag den kleinen Finger bricht, es sei denn, man kann Karate. Dennoch war der Kurs keine Verschwendung; ich fordere noch heute jeden im Ein-Finger-System heraus (nicht zu verwechseln mit dem Zwei-Finger-System. Der zweite Finger kümmert sich bei mir ausschließlich um die Hochstell-Taste).

Später habe ich mir eine Thermo-Schreibmaschine zugelegt, das war damals der neueste Schrei, ein Wunderwerk der Technik. Mit so einem Ding war man immerhin in der Lage, eine komplette Seite zu tippen und zu korrigieren, ehe man den Befehl zum Ausdrucken gab. Speichern konnte man das Ganze natürlich nicht. Und die auf diese Weise hergestellten Texte verblassten ebenfalls mit den Jahren.

Ende der Achtziger arbeitete ich in einer Freien Theatergruppe, unter anderem im Büro, und wurde dort mit der Arbeit am Computer vertraut gemacht, wofür ich heute noch dankbar bin. Ermutigt durch diese Erfahrungen und einen Freund, der mir in deutlichen Worten klarmachte, dass Thermoschreibmaschinen keine Zukunftstechnologie sind, kaufte ich mir dann 1991 meinen ersten Computer, einen Toshiba T 1000. Und verbrachte erst mal Wochen damit herauszufinden, warum mein Drucker keine Umlaute ausdruckte.

Dass ich heute in der Lage bin, selbstständig die Festplatte zu löschen und sämtliche Programme neu zu installieren, mein Textverarbeitungsprogramm in- und auswendig kenne und etliche andere Programme zumindest rudimentär, mir das Erstellen einer Website und eines Blogs beigebracht und mich ins Selfpublishing eingearbeitet habe, finde ich angesichts meiner Ausgangssituation beachtlich. Auch wenn sich Freunde von mir gern darüber amüsieren, dass ich bis heute Schwierigkeiten habe, eine SMS zu versenden, und mein vorsintflutliches Handy, das ich nur auf Reisen benutze, mitsamt Stoffschutz in einem Hartschalen-Brillenetui mit mir herumtrage, umwickelt mit Gummiband.

Aber ich schweife ab. Eigentlich wollte ich ja von meiner Arbeitsweise erzählen. Also: Die Erstfassung eines Werkes tippe ich direkt in den Computer. Mindestens zwei meiner etwa vier oder fünf Überarbeitungen nehme ich jedoch anhand von Ausdrucken handschriftlich vor, schon allein, weil ich dadurch Textstellen in verschiedenen Kapiteln, die sich aufeinander beziehen, besser vergleichen kann, aber auch, weil ich so dem, was der Leser später sieht, näher bin.

Es gibt die These, Texte am Computer zu erstellen würde diese Texte oberflächlicher oder beliebiger machen, was ich für ausgemachten Blödsinn halte. Es stimmt natürlich, dass die spezifische Arbeitsweise am Computer – das Verschieben von Textblöcken etwa, das Umstellen von Sätzen – spezifische Fehler hervorbringt, die es früher so nicht gab, zum Beispiel herrenlose Wörter aus der älteren Fassung eines Satzes, die versehentlich nicht mit gelöscht wurden und nun verzweifelt in den Zeilen herumirren. Inhaltlich jedoch, davon bin ich überzeugt, dürften die Möglichkeiten des Computers Texte eher verbessern. Allein weil ein Autor in der Lage ist, ein unschönes Wort eine Minute vor Abgabeschluss noch zu ändern, eine Arbeit, die ich früher sicher gescheut hätte, weil die Folge gewesen wäre, dass ich die komplette Seite neu abtippen müsste.

Das Einzige, was früher besser war, ist die Tatsache, dass man niemals die Arbeit von Tagen wegen eines Systemabsturzes verlor. Sondern immer nur wegen der eigenen unleserlichen Klaue.

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Gunnar