Sonntag, 29. Juni 2014

Zwischenstand von meinem Schreibtisch



Wie erwähnt habe ich mein vermutlich komplexestes Werk, eine Trilogie, von der ich an dieser Stelle berichtete, im Augenblick beiseite gelegt und werde wohl erst 2015 daran weiterarbeiten können, weil derzeit mal wieder die Projekte bei mir Schlange stehen.

Zum einen nimmt mich die Recherche für meinen nächsten Krimi aus der Weimarer Republik in Beschlag. Unter anderem habe ich mir weitere Schauspielerbiografien besorgt, und zwar von Käthe Dorsch, Albert Bassermann, Rudolf Forster und Lucie Höflich, außerdem natürlich Bücher über die damaligen Regisseure Max Reinhardt, Leopold Jessner, Erwin Piscator, Jürgen Fehling, Heinz Hilpert, Erich Engel und Victor Barnowsky. Und bei Carl Zuckmayer ebenso wie bei anderen Theaterautoren jener Zeit lese ich mit Interesse, dass es damals durchaus üblich war, dass Autoren bei ihren eigenen Stücken Regie führten. Während heutzutage bekanntlich Regisseure und Schauspieler den Autor möglichst weit weg wünschen, damit niemand ihre willkürlichen Eingriffe in den Text kritisiert.

Neben den Büchern, die ich zum Thema lese, habe ich auch Kontakt zum Theaterhistorischen Archiv des Instituts für Theaterwissenschaft an der FU Berlin und zur Theatersammlung des Stadtmuseums aufgenommen, sollte das nicht reichen, bleiben mir noch das Landes- und das Bundesarchiv und die Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger. Ich bin also mit meinem Latein noch lange nicht am Ende, was gut ist, denn einige Fragen verweigern sich hartnäckig einer Beantwortung.

Solltest du zufällig wissen, wie 1926 im Deutschen Theater der Eiserne Vorhang ausgesehen hat und wie und von wo aus er bedient wurde, wäre ich über eine Nachricht dankbar. Ebenso interessiert mich alles, was mit dem Inspizientenpult zu tun hat (egal ob am Deutschen Theater oder anderswo): Wie sah es aus, welche technischen Möglichkeiten besaß es? Aus Friedrich Kranichs „Bühnentechnik der Gegenwart“ (von 1929 und 1932) weiß ich, dass vom Inspizientenpult bereits Lichtzeichen gegeben und die Darsteller per Klingelzeichen zum Auftritt gerufen wurden, hätte es aber dennoch gern genauer.

Die Frage, ob man sich auf der Probe damals siezte, habe ich zunächst per Rückschluss beantworten können (In einem Buch über den Schauspieler Ernst Deutsch heißt es, dass ihm sein Kollege Paul Wegener in einem Restaurant „plötzlich das Du anbot“, was nahelegt, dass es nicht wie heute selbstverständlich war, sich während der Proben zu duzen) und mittlerweile auch entsprechende Hinweise bei Rudolf Forster gefunden.

Während ich also all dies recherchiere, habe ich bis vor kurzem an einem Theaterstück gearbeitet, um das mich mein Hauskomponist Uli Pohl gebeten hatte, eine Art Musical für Schauspieler, Sänger und Akrobaten. Mal was Neues. Da wir beide mittlerweile auf einen ansehnlichen Fundus von Liedern zurückgreifen können, die wir im Verlauf der letzten fünf, sechs Jahre geschaffen haben, hielt sich die Arbeit daran vergleichsweise in Grenzen.

Bei der Gelegenheit drängte sich jedoch plötzlich ein anderes Werk in den Vordergrund. Uli hatte mir nämlich vor einiger Zeit von einer vagen Idee für ein ungewöhnliches Projekt berichtet, über das ich immer mal wieder nachgegrübelt habe, ohne jedoch weiterzukommen. Mir fehlte einfach die zündende Idee, die das Ganze zusammenhält. Und dann traf es mich eines Tages wie aus heiterem Himmel, und seit ich weiß, was ich damit alles machen könnte, juckt es mich in den Fingern loszulegen. Was ich inzwischen in jeder freien Minute auch tue.

Gleichzeitig stand allerdings die letzte Überarbeitung meines Männerbuches an. Dreieinhalb Jahre habe ich daran geschrieben, wobei es letztlich die Quintessenz von über dreißig Jahren Beschäftigung mit dem Thema ist. Zu meiner Freude finde ich es immer noch kraftvoll, berührend und deutlich. Drei der kürzeren Geschichten musste ich mir noch mal ein bisschen gründlicher vornehmen, beim Rest genügte sprachliches Polieren.

Ich habe mich entschieden, Verlage zu kontaktieren, um zu sehen, ob es vielleicht Interesse an dem Manuskript gibt, denn natürlich wäre es mir lieber, ein etablierter Verlag brächte das Werk heraus. Allerdings werde ich nicht ewig auf eine Antwort warten; die Verlagsbranche ist ja nicht gerade für ihre Schnelligkeit bekannt. Im Zweifelsfall veröffentliche ich das Buch Ende des Jahres selbst.

Wenn ich lese, wie derzeit überall zur Hatz auf Männerrechtler geblasen und mit aller Gewalt versucht wird, uns mundtot zu machen, indem beispielsweise ein sinnfreier Zusammenhang zwischen Männerrechtlern und dem Amoklauf von Elliot Rodger konstruiert wird (Das ist so, als würde man Vegetarier als Neonazis bezeichnen, weil Hitler Vegetarier war) oder gar verlangt wird, Kritik am Feminismus unter Strafe zu stellen, oder indem mit Trillerpfeifen und Morddrohungen ein offener Meinungsaustausch verhindert werden soll wie jüngst in Detroit und Toronto, natürlich auch in Deutschland – wenn ich all das lese, weiß ich, dass das Buch jetzt heraus muss, nicht erst in fünf Jahren. Ich werde nicht zusehen, wie die Meinungsfreiheit in diesem Land den Bach runtergeht. Antidemokratische Strömungen sind offenbar wieder auf dem Vormarsch; hier schließt sich bedauerlicherweise der Kreis zur Weimarer Republik.

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Gunnar