Sonntag, 18. Januar 2015

Aufräumarbeit


Mein „Männerbuch“ Verwundbar sind wir und ungestüm ist veröffentlicht und hat einige recht gute Kritiken bekommen. Darüber hinaus haben mich aufgrund der darin enthaltenen Geschichten vermehrt Betroffene angesprochen und die Vorkommnisse, die ich beschreibe, bestätigt, worüber ich mich natürlich besonders freue. Überhaupt habe ich in letzter Zeit einige sympathische Menschen kennengelernt, die das gleiche Unbehagen wie ich angesichts einer zunehmend totalitärer werdenden Ideologie verspüren.

Beim Aufräumen des Materials, das ich für das Buch im Laufe der letzten vier Jahre gesichtet habe, sind mir einige Zitate von Feministinnen in die Hände gefallen, die ich nicht in den Geschichten verwendet habe, die aber zu schade sind, um sie gnädig ins Dunkel der Geschichte zu entlassen. Ich finde, man muss solche Bösartigkeiten ans Licht der Öffentlichkeit zerren.

Zunächst Zitate aus zwei eher belanglosen Büchern, über die ich damals mehr zufällig gestolpert bin, die aber symptomatisch dafür sind, wie in unserer Gesellschaft über Männer und Jungen geredet und geschrieben wird:

Katharina Martin und Barbara Schervier-Legewie schaffen es in Single-Mom, das ganze Ausmaß ihrer Bigotterie über entsorgte Väter in zwei aufeinander folgenden Sätzen auf den Punkt zu bringen: „Spätestens jedes zweite Wochenende steht er [der Expartner] vor der Tür. Reißt alte Wunden auf. Oder konfrontiert seine Exfrau mit seinem vorwurfsvollen, leidenden Blick, der sagt: „Wie konntest du uns das nur antun?“ Mit anderen Worten: Ein und dieselbe Situation bedeutet für die Frau eine Verwundung („reißt alte Wunden auf“), während die Schmerzen des Mannes selbstredend eingebildet sind („leidender Blick“).

Katja Leyrer zeigt in Hilfe! Mein Sohn wird ein Macker, was wahre Mutterliebe bedeutet: „Dennoch geht es [meinem Sohn] schlechter als seinen Schwestern, und das muss auch so sein. (...) Wir müssen unseren männlichen Kindern etwas wegnehmen, sie unterdrücken.“ Das einfühlsame Geschlecht hat gesprochen.

Germaine Greer wird ja als feministische Vordenkerin gehandelt, und sie schießt für mich in Die ganze Frau den Vogel ab. Es geht los mit der kitschigen Überhöhung weiblicher Liebesfähigkeit: „Frauen (...) können einen Ort mit so herzzerreißender Leidenschaft lieben, dass sie jede Nacht davon träumen.“ (S. 308).

Weiter mit ihrer Beschreibung, weshalb Frauen so ein schweres Leben führen: „[Shoppen-Gehen] ist harte Arbeit: zum Supermarkt fahren, auf dem vorgesehenen Parkplatz parken, einen Einkaufswagen finden, nach den gewünschten Waren suchen, sie in den Einkaufswagen laden ...“ (S. 185 ff) Ich würd’ noch hinzufügen: Den rechten Fuß vorsetzen, den linken Fuß vorsetzen, einatmen, ausatmen ... Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Leid in so einem Shoppingvormittag steckt, gell?

Und hier noch meine Lieblingsstelle von all dem widerlichen Zeug, das ich mir während meiner Recherche durchlesen musste: „Die meisten männlichen Homosexuellen erkennen ihre Orientierung im Laufe wahlloser sexueller Kontakte, viele Frauen müssen sich jedoch in eine andere Frau verlieben, um sich selbst als Lesbierin zu identifizieren.“ (S. 312) Schön, dass wir das mal klargestellt haben!

So weit die Aufräumarbeit; ich bin froh, dass ich mich nicht länger mit dieser Mischung aus Selbstgerechtigkeit und Männerhass beschäftigen muss, weil das Lesen derartiger Lektüre mit der Zeit aufs Gemüt schlägt.

Zum Abschluss möchte ich die Gelegenheit nutzen, um ein paar Zitate aus Rezensionen zu meinem Buch zu bringen:

„Ein Buch über die Seele der Männer.“ (Emannzer)

„Gunnar Kunz schafft es hier, durch einen ständigen Perspektivwechsel das Leid der Beteiligten „der anderen Seite“ gefühlvoll zu vermitteln.“ (Amazon)

„All diese Geschichten werden in der von Kunz gewohnten Eindringlichkeit und sprachlichen Brillanz präsentiert.“ (Genderama)

Eine ausführliche Rezension gibt es im Pelzblog.

Ein Interview mit mir zum Buch gibt es übrigens beim Blogger Lucas Schoppe
 

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Gunnar