Sonntag, 4. Januar 2015

Rückblick 2014



Seit ich fünfzehn bin, schreibe ich Tagebuch. Nicht jeden Tag und auch nur, wenn sich etwas Wesentliches in meinem Leben ereignet, und es ist auch keine literarische Glanzleistung, schließlich schreibe ich den ganzen Tag Geschichten, da beschränke ich mich beim Tagebuch auf das Nötigste, aber immerhin. Anstoß war damals der Gedanke, eine Materialsammlung für Geschichten anzulegen, denn zu dem Zeitpunkt trug ich nach einem Unfall im Sportunterricht einen Fuß in Gips, und was ich dabei erlebte, hätte gut und gern in einer Komödie Verwendung finden können, angefangen beim Arzt, der wie Jerry Lewis aussah, bis hin zu der Tatsache, dass ich mich von meinem Klumpfuß nicht davon abhalten ließ zu tun, was immer ich tun wollte (einschließlich Tanzstunde fortsetzen), und daher ständig meinen Gips ruinierte („Gipsmörder“ nannte mich Jerry).

Von Anfang an habe ich zu Neujahr eine Art Resümee des vergangenen Jahres gezogen und mir Gedanken über das kommende gemacht, das hat sich im Laufe meines Lebens als gute Sache erwiesen. Ich gehe dann immer noch mal die letzten zwölf Monate durch, stelle fest, wie viel ich bereits vergessen habe, und lasse das Jahr Revue passieren. Das hilft mir, Tendenzen zu erkennen, das Erlebte in die richtige Perspektive zu rücken und den eigenen Weg zu erkennen. Und gegebenenfalls zu korrigieren. Was übrigens etwas anderes ist als der berüchtigte gute Vorsatz zu Silvester, weil es nicht dem luftleeren Raum entspringt, weil es konkret ist, weil ich auch nichts Unmögliches von mir verlange, sondern einen Prozess mit wachen Sinnen begleite, den ich von Jahr zu Jahr über meine Aufzeichnungen hinweg verfolgen kann. Das Tagebuch und das jährliche Resümee helfen mir, mich immer wieder selbst zu verändern.

2014 war ein recht dramatisches Jahr für mich, positiv wie negativ. Insbesondere wurde es von meinem Bandscheibenvorfall geprägt, der mich drei Monate im Griff hielt, ehe er richtig diagnostiziert wurde, und damit natürlich auch meine Arbeit beeinträchtigte. Die Zeit, die es kostete, von Arzt zu Arzt und Physiotherapeut zu Physiotherapeut zu rennen, die zum Teil erheblichen Schmerzen, die es mir zeitweilig unmöglich machten, länger als eine Stunde am Computer zu sitzen, all das sorgte dafür, dass ich mit meiner Terminplanung ins Hintertreffen geriet. Glücklicherweise ist alles gut ausgegangen; auch wenn ich mein Leben komplett umstellen musste, blieb mir doch eine risikoreiche OP erspart.

Die Krankheit ist natürlich auch der Grund, weshalb ich meinen aktuellen Krimi erst mit etwa zwei Monaten Verspätung werde abgeben können und weshalb ich mich schweren Herzens entschieden hatte, 2014 ausnahmsweise keine neue Märchenfassung fürs Theater zu schreiben.

Dafür bin ich geradezu euphorisch, was meine sonstige schriftstellerische Tätigkeit im vergangenen Jahr betrifft, weil ich an mehreren Werken gearbeitet habe, die Meilensteine für mich waren und sind: Eine Fantasy-Familiensaga, ein außergewöhnliches musikalisches ... nun ja, Theaterstück (beide noch im Entstehungsprozess) und natürlich mein Buch über die unsichtbare Welt der Männer.

Was gab es noch im vergangenen Jahr? Ich habe das „Tatort Töwerland“-Stipendium erhalten. Es wurden Theaterstücke von mir gespielt, neben einigen Amateuraufführungen vor allem meine Märchenfassung vom „Teufel mit den drei goldenen Haaren“ im Theater Erfurt, außerdem, und darüber habe ich mich besonders gefreut, meine Märchenparodie für Erwachsene, „Best of Grimms Märchen – Director’s Cut“ von Münchener Studenten der Theaterwissenschaft (hab’ ich leider nicht sehen können).

Und sonst? Die (ohnehin vage) Hoffung auf einen Film nach meinem Roman „Lagunenrauner“ hat sich leider zerschlagen. Ich habe meine langjährige Arbeit als Vorstandsmitglied im „Verband deutscher Schriftsteller“ bei ver.di beendet. Und nicht zuletzt habe ich dieses Blog ins Leben gerufen (Liest mich da draußen eigentlich jemand? Ich meine, abgesehen von ein paar Freunden und Verwandten?).

Soviel zum Rückblick, nächste Woche folgt dann der Ausblick auf das Jahr 2015.

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Gunnar