Montag, 23. November 2015

Auf die Bahn ist Verlass


Jedes Jahr, pünktlich zum ersten Schneefall, bricht dort Chaos aus.

Heute Mittag soll ich in Eutin für Schüler lesen, deshalb heißt es früh aufstehen, um einen entsprechenden Zug zu bekommen. Aber gestern hat es geschneit. Und die Bahn wird wie immer vom nahenden Winter überrascht.

Am Hauptbahnhof empfängt mich eine Anzeigetafel, auf der zu lesen ist, dass jeder zweite Zug Verspätung hat. Darunter auch meiner. Warum, das erschließt sich mir, als er schließlich eintrifft. Und steht. Und steht. Und steht. Ehe die Türen endlich aufgehen. Ja ja, die empfindliche Elektronik ...

Mit jedem Halt wird die Verspätung größer. Ich verpasse meinen Anschlusszug in Büchen. Muss daher den Zug eine Stunde später nehmen. Als ich endlich drin sitze, erreicht mich der Anruf, dass die Lesung aufgrund der Verspätung ausfallen muss. Also Rucksack geschnappt und raus, ehe der Zug anfährt. Zurück nach Berlin, dann habe ich zumindest den halben Tag frei ...

Denkste! Der nächste Direktzug fährt erst dreieinhalb Stunden später. Nun habe ich die Wahl: In einer halben Stunde über Lüneburg zu fahren, allerdings dreimal umsteigen zu müssen. Bei den unsicheren Verhältnissen? Nee, dann lieber noch etwas länger warten und dafür über Hamburg mit nur einmaligem Umsteigen.

Kurz bevor der Zug nach Hamburg eintrifft, erfahre ich, dass auf dieser Strecke gar nichts mehr geht, weil ein Stellwerk defekt ist. Inzwischen habe ich bereits über zwei Stunden auf dem Bahnhof in Büchen verbracht, der sich nicht gerade durch Luxus auszeichnet. Also doch über Lüneburg, mit der nächstbesten Möglichkeit. Und statt dreimaligem Umsteigen von dort nach Hamburg.

Das klappt sogar. Doch auch in Hamburg hat jeder zweite Zug Verspätung. Der Zug nach Berlin laut Anzeigetafel fünfzehn Minuten. Aus fünfzehn Minuten werden plötzlich fünfundzwanzig. Aus fünfundzwanzig werden dreißig. 



Er kommt. Überfüllt natürlich, da ich nicht der Einzige bin, der die irrwitzigsten Umwege in Kauf nimmt, um irgendwie ans Ziel zu gelangen. Er fährt. Sogar bis Berlin. Wo auf sämtlichen Bahnhöfen die Anzeigetafeln nicht mehr zu funktionieren scheinen.

Neuneinhalb Stunden bin ich in Zügen und auf Bahnhöfen unterwegs, für nichts und wieder nichts. Weil die Technik der Bahn versagt. Bei Plusgraden. Nicht auszudenken, wie es hier bei arktischen Temperaturen aussehen würde.

Da kann man doch für die Klimaerwärmung nur dankbar sein.

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Gunnar