Sonntag, 10. Januar 2016

Cicero


Endlich ist er erschienen, der abschließende Band der Cicero-Trilogie von Robert Harris.



Seit Jahren warte ich darauf, immer frustrierter werdend, weil der Autor zwischen Band zwei und drei zunächst 2011 den Roman Angst über die Finanzkrise und dann auch noch 2013 den Roman Intrige über die Dreyfus-Affäre einschob (Eigentlich darf ich mich darüber ja nicht beschweren, weil ich das mit meiner Krimiserie aus der Weimarer Republik ähnlich handhabe, räusper ...).

Robert Harris, das ist der Mann, aus dessen Feder Titel wie Enigma, Vaterland oder Ghost stammen (nicht zu verwechseln mit Thomas Harris, dem Autor vom Schweigen der Lämmer). Seine Cicero-Trilogie gehört für mich neben der Artus-Trilogie von Bernard Cornwell zum Besten, was das Genre Historischer Roman hervorgebracht hat. Exzellent recherchiert, fesselnd erzählt, mit vielschichtigen Figuren versehen wird hier das Alte Rom zum Leben erweckt.

Wie Cicero sich gegen die Intrigen seiner Feinde behauptet und als Anwalt aufsteigt, erinnert streckenweise an die Gerichtsthriller des frühen Grisham. Dabei wird das Ringen um die Macht im Staate und das Getriebe der Politik unsentimental geschildert, Leidenschaft und Idealismus ebenso wie Skrupellosigkeit, Doppelmoral und Korruption.

Band 1, Imperium, erzählt vom Aufstieg des Anwalts Cicero zum Konsul und ist spannend von der ersten bis zur letzten Zeile. Band 2, Titan, erzählt von Verschwörungen gegen Cicero und Rom und ist ebenfalls mitreißend, auch wenn es nicht ganz an den ersten Band heranreicht. Band 3, Dictator (warum auch immer der Heyne Verlag den Titel lateinisch mit c schreibt, während das Wort im Innenteil deutsch geschrieben wird), fällt dagegen leider ab, was die Spannung betrifft, obwohl es um Verbannung, Bürgerkrieg, Caesars und schließlich auch Ciceros Ermordung geht. Dennoch sind die Bücher uneingeschränkt zu empfehlen.

„Caesar und Pompeius haben ihre Soldaten“, sagt Cicero, „Crassus hat seinen Reichtum, Clodius seine Schläger auf den Straßen. Die einzigen Legionen, die ich habe, sind meine Worte.“ Und die weiß Cicero, ebenso wie sein Autor, zu nutzen.

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Gunnar